730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

10. Juli 2014

The big mistake

Nahe der 14 beim Little Lake Overlook

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Als ich abends um 10 mein erstes Bud Light öffnete, hatte ich 27 Stunden Reise und 3 Flüge hinter mir. Der Mietwagen stand auf dem Parkplatz des Motels 6 in Belmont, 20 Meilen südlich von San Francisco. Die ganz grosse Katastrophe hatte ich schon vor dem Beginn dieses Abenteuers abgewendet. Es war aber auch ein wirklich verlockendes Angebot. 2500 Euro, Flug und Hotels bezahlt, über San Francisco, Yosemite NP, Sequoia NP, Death Valley, Las Vegas, Zion und Bryce Canyon, nach Moab und über Monument Valley, Page, Grand Canyon und zurück in die Spielerstadt. Das ganze in 2 bequemen Bussen mit Plätzen für 15 Leute, aber nur 11 Reisende pro Bus. Gebucht und bezahlt hatten meine Schwiegereltern beim slowenischen Reisebüro Oskar. 

Das erste Mal misstrauisch wurde ich, als den Teilnehmern geraten wurde, ohne Koffer, sondern, zwecks besserem Transport, mit einer Tasche zu reisen. Dann googelte ich den 15 Personen Transporter! Ein eigener Mietwagen war schnell gebucht. 

Belmont ist für mich zwar nicht San Francisco, liegt aber immerhin im gleichen Staat. Todmüde mussten unsere slowenischen Reisegefährten im Bus ihre unbequemen Sitze ohne Kopfstützen, den engen Platz und einen unbefestigten Koffer als drohendes Geschoss auf der umgekehrten letzten Bank zur Kenntnis nehmen. Etwas neidisch schielten sie zu unserem Yukon XL, waren sich aber auch bewusst, dass noch je 2 Reisende mehr pro Bus, fast ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Denn meine Schwiegereltern sassen selbstverständlich auf der Rückbank des GMCs.

Immerhin sprach unser Guide leidlich gut englisch, war zwar das erste Mal in den USA, hatte aber als Azubi die gleiche Reise mit einer ersten Gruppe schon absolviert. Die erste Wette mit Sabina hatte ich auch schon verloren. Ich war sicher, dass der Fahrer des zweiten Busses nicht pünktlich auftauchen würde. Was aber unmöglich war, denn der Driver des zweiten Gefährts wurde aus den Reihen der Zahlenden rekrutiert!

Sabina und ich haben vor 4 Jahren fast sechs Monate auf der vor uns liegenden Reiseroute verbracht. Immerhin war unser Südamerika-süchtige Reiseleiter Roman ein cooler Freak, der seine Leute meistens im Griff hatte und die eine oder andere aufkommende Revolution im Ansatz zu ersticken wusste. Und jeden Abend lernte er fleissig aus seiner Reisebibel und trug am nächsten Tag die Informationen bestimmt und wie ein alter Profi vor. Eigentlich bekam ich von dem sehr wenig mit, da er slowenisch sprach. Und dass die Twin Peaks in San Francisco rein gar nichts mit der bekannten Fernsehserie zu haben, konnte ihm auch Sabina erklären...

Roman war allerdings einer der wenigen, mit dem wir etwas Kontakt hatten und mit dem wir auch wirklich gut ausgekommen sind. Schliesslich ist er ein schlaues Kerlchen und entdeckte schnell, dass es bei uns jeden Abend ein leckeres Gratis-Bud Light zu trinken gab :-)... 

Aber auch wir sind nicht ganz lernresistent und entdeckten unsererseits, dass die Gruppe besser ohne uns reisen sollte und wir sie ab und zu an den neuralgischen Punkten kurz sehen sollten oder dann spätestens am Abend im Motel 6. Bis auf 3 Ausnahmen waren diese Motels unsere Schlafstellen. Und nur im Yosemite NP, genauer gesagt, im 50 km entfernten Yosemite Bug (Käfer) Hostel mit Massenschlag, verweigerten wir die Uebernachtung und schliefen im 10 km entfernten Mariposa in einem Comfort Inn. 

In der Schnellbleiche des Reiseveranstalters hatte Roman auch nicht mitbekommen, dass die Armut in den USA grenzenlos ist, der Mindestlohn ein Hohn und viele Arbeitnehmer vom Trinkgeld leben. Etwas mehr Respekt gegenüber den Gepflogenheiten des Reiselandes wäre sicher angebracht. Ebenfalls ein bisschen Ortskenntnisse und die Vermeidung der Motels 6 in Fresno und Bakersfield. Denn dort geben sich Prostituierte, Drogendealer und sonst wenig vertrauenserweckende Gestalten die Klinke in die Hand. In Fresno meinte der Securitiy-Mann, dass wir das übelste Motel der Stadt erwischt hätten, was für unbedarft Reisende sicher eine gewisse Gefährlichkeit mit sich bringt. 

Kurz nach Beginn planten wir unsere Reise mehr oder weniger selbständig. Was aber einem älteren Paar in unserer kleinen Gruppe nicht ganz passte. Zweimal mussten wir unmissverständlich klarmachen, dass entweder bei uns Platz genommen und nach unseren Regeln gefahren wird, oder man sich sonst in den Tourbus setzen dürfte. Trotz dieser Aussicht vor Augen hatten wir kein leichtes Spiel:-)!

Die Strapazen der Reise setzten auch uns zu und die Vorstellung am Ende der Ferien mit einem 1-Stopp von Las Vegas, wieder über Philadelphia nach Venedig zu fliegen und im Flughafen der italienischen Destination noch 5 Stunden auf unseren Flieger nach Zürich zu warten und so einen glatten 30 Stünder hinzulegen, veranlasste mich bei den wenigen Gelegenheiten mit Internet-Zugang, nach einem Direktflug zu suchen. Warum One-Way Tickets von den USA nach Zürich für eine Person auf über 4000 USD zu stehen kommen, ist mir noch nicht ganz klar. So blieb mir nur eines übrig: Einen Roundtrip zu buchen, leider nicht refundable, dafür aber für zwei Personen fast die Hälfte billiger als das One-Way Ticket für einen. Wollen wir den Flug nicht verfallen lassen, droht uns ein Rollover bis in die Ewigkeit. Ich kann mir weit Schlimmeres vorstellen!:-)

So flogen wir auch nicht mit der Gruppe zurück, sondern alleine von LA nach Zürich. Dummerweise mussten wir am Sonntag Las Vegas verlassen. Und das nach dem 4th of July-Weekend! Nach 20 Meilen standen wir auf der Interstate 15 in einem Stau. Ich fuhr, wie ein paar andere, über den Schotter zurück auf den Highway nach Las Vegas und versuchte über die alte Strasse nach LA zu gelangen. Die endete aber nach ca. 15 Meilen (immer den Stau auf der Interstate im Auge) im Niemandsland. Sabina kam auf die gloriose Idee, anstatt die 15 zu nehmen, über das Death Valley nach Santa Monica in unser Hotel zu gelangen. Zwar 124 Meilen länger, dafür aber ohne Verkehr und nie auf der I-15. 

Genau so genial wie ich einen Tag später auf der Fahrt zum Flughafen in LA agierte. Die 11 Meilen zum Flughafen waren auf den Interstates massiv verstopft und so lotste ich unseren Yukon auf Nebenstrassen ohne Stau und in kürzester Zeit an unser Endziel. In Zeiten des GPS folgt das grosse Heer schön brav dem Navi...

Fazit: Wie dumm sind zwei Menschen, die 2 Jahre alleine durch die Welt gezogen sind, sich einer Gruppe anzuschliessen, die in Kleinbussen über 4000 Kilometer durch eine heisse Gegend fährt, die den beiden Langzeitreisenden wohl bekannt war, geführt von einem Guide, der Nordamerika nicht kennt und lieber in Kolumbien in der Hängematte eins raucht? Gut, alles konnten wir nicht vorhersehen, aber wir hätten uns selber besser kennen sollen. Auf nie und nimmer wieder!

Und ich werde nie begreifen, warum Touristen in ihren Ferien sich so früh wie möglich in den Göppel schwingen, 4 Stunden fahren, bei gleissendem Licht, das unter Fotografen die Pool-Light-Hours genannt wird (das ist von 11am-3pm, dann findest Du den gewieften Fotografen am Pool), die Sehenswürdigkeiten bewundern und in der blauen Stunde den Weg ins Hotel suchen. Aus sozial-darwinistischen Gründen haben wir uns auf dieser Reise dieser Unsitte angeschlossen. Auf nie und nimmer wieder!

Gefahrene Meilen: 3465!

Links:

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Start in Venedig
 Zwischenlandung in Philadelphia
San Francisco City Hall, die Kuppel darf nur jemand betreten, der eine schriftliche Erlaubnis des Bürgermeisters hat
hoffentlich behalten sie diese coolen Trams
im 68 nach SF gekommen und nie mehr weg! I m on your side!
Graffity Kunst 
der spezielle Geist von SF lebt auch in den Kids weiter
Musiker bei der Fishermans Wharf
der hat sein Publikum im Griff
welche Niete ist von der Golden Gate Bridge noch nicht fotografiert worden?
die schönste Sicht auf die Brücke
Spitalzimmer in Alcatraz
Abends an der Fishermans Wharf
Goldschürfer am Merced River im Yosemite Gebiet wie aus dem Bilderbuch!
Bridalveil Fall im Yosemite NP
der Half Dome mal anders
in Mel's Old West in Panada
 Fresno
ein ausrangiertes Konzerthaus in Fresno
Wanderlust? Nicht wirklich und zwei Koffer fehlen noch!
 ein Schwarzbär im Sequoia NP
 Mimi's Cafe in Visalia
Im Red Rock Canyon Campground, nahe Cinco auf der 14
direkt an der 14, eine Ghosttown
Little Lake Overlook (ca 5 miles dirt road) an der 14
ein Vulkan (vor 10'000 Jahren noch aktiv) an der 14
Owens Lake bei Olancha
Badwater tiefster Punkt des Kontinents (85.5 m under sea level)
Touristen stürmen den Zabriskie Point im Death Valley
Dantes View ins Death Valley (16 Meilen ein Weg)

Hotel Amargosa
hinter diesen Fenstern haben wir Träume für ein ganzes Leben geträumt
Las Vegas ausserhalb des Strips
Sahara Road
das Ponderosa
adult movies gratis!
Silver Saddle Dance Hall
das Las Vegas Motel hat seine Pforten geschlossen
im Zion Canyon
Rodeo Reiter bei Bryce City
ein Spektakel für jung und alt (und Fotografen)
wie inszeniert
der Nachwuchs fiebert mit
der Bryce Canyon
wohl der schönste Canyon der USA
der Dragon im Mossy Cave (5 Minuten Hike vor Tropic Richtung Torrey auf der 12)
Scenic Highway Number 12 
Rast an einem der schönsten Punkte der 12 
ein namenloser Overlook auf dem Highway 12, Blick Richtung Grand Stair Escalante NM und links Canyonlands bei Moab
Strassenszene des Capitol Reef NP
kurz vor Hanksville
Damir bestaunt die Park Avenue im Arches NP
im Arches NP
wer findet die junge Frau?
der Delicate Arch aus anderer Sicht, Besucher links oben auf der Kuppe
Moab Grill neben der Big Horn Lodge in Moab
der wollte seine Hunde auf mich hetzen… nein, nein, war ein ganz lieber Kerl!
Moab vom Sunset Grill aus gesehen
Canyonlands, Island in the Sky, the Grand View
der Green River
Strasse auf Island in the Sky
Overlook über den Colorado, Dead Horsepoint State Park
Roman, der Guide, am Gooseneck State Park
Monument Valley
zu Beginn des 16 Meilen Drives (dirt road) durch das Valley of the Gods
herrlich! Mitten im Valley of the Gods
beim Mexican Hat
John Wayne Lieblingsblick bei Golding im MV
der Horseshoe Bend bei Page
Overlook bei Page über den Lake Powell
der Colorado River kurz nach der Staumauer
Grand Canyon
reweired-Rock im Museum in Flagstaff die Slowenen hatten ihre helle Freude 
Asians auf der Route 66 in Seligman
in Seligman
...
der Inhaber eines der Läden in Seligman eskortierte die beiden Busse der Slowenen durch Seligman (sein Grossvater stammte aus Slowenien)
am Strip in Las Vegas
die Strasse entlang des Owens Lake nahe Death Valley
unser Hotel in Santa Monica
die Achterbahn auf dem Santa Monica Pier, gleichzeitig das Ende der Route 66
Hochsaison am Strand von SM
ich finde, der hat was von Brad Pitt!